Samstag, 3. Dezember 2016

[Rezension] "Broken House - Düstere Ahnung" von Gillian Flynn

Broken House - Düstere Ahnung von Gillian Flynn
Bildquelle: Fischer Verlage
Broken House – Düstere Ahnung ist eine kleine, feine, sehr gemeine Kurzgeschichte aus der Feder von Erfolgsautorin Gillian Flynn. Ursprünglich in einer Anthologie von George R. R. Martin und Gardner Dozois erschienen, wurde „Broken House – Düstere Ahnung“ aufgrund des weltweit großen kommerziellen Erfolges der Autorin, vielleicht auch, um ihren Fans die Wartezeit bis zum nächsten Roman zu versüßen, ausgekoppelt und als Mini-Hardcover auf den Markt gebracht.
Broken House – Düstere Ahnung“ ist trick- und wendungsreich, ködert den Leser mit einer Gaunerstory, wechselt in eine Schauergeschichte klassischen Stils, um den Leser schließlich mit einer, nein zwei, nein drei finalen Wendungen den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Der Plot ist nicht leicht in Worte zu fassen und sollte es der Spannung halber auch gar nicht - wenigstens nicht ausführlich.

Worum geht’s?
Nerdy, eine abgezockte, kleine Betrügerin, ist überzeugt, dass ihr so schnell niemand etwas vormachen kann. Nach professionellen Betteltouren und „Handjobs“, die ihr ein schmerzhaftes Karpaltunnelsyndrom eingebracht haben, verdient sie ihr Geld als Wahrsagerin. Mit guter Menschkenntnis und kleinen Listen angelt sie ihren Kunden erfolgreich das Geld aus der Tasche. Eines Tages wird sie von Susan Burke um Hilfe gebeten. Susan ist überzeugt, dass ein böser Geist Besitz sowohl von ihrem Stiefsohn Miles als auch ihrem Heim, dem viktorianischen Anwesen Carterhook Manor, ergriffen hat. Nerdy freut sich auf leicht verdientes Geld und macht sich mit Salbei und Salz bewaffnet daran, das alte Haus vom Bösen zu reinigen. Als sie es zum ersten Mal betritt, fühlt sie jedoch eine lauernde Präsenz, die sie zweifeln lässt, dass es keine Geister gibt.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

[Rezension] "Hör mal: In der Natur" von Anne Möller und "Sing mal: Erste Kinderlieder" von Marina Rachner

In den vergangenen zwei Jahren durfte ich, dank meines Sohnes, einige Buchreihen für Kleinkinder entdecken. Viele wunderschöne und empfehlenswerte waren dabei, aber auch einige überteuerte und unpraktische Bücher, die ich sofort aus dem Buchregal verbannt habe. Heute möchte ich euch zwei wirklich schöne Kinderbuchreihen aus dem Carlsen Verlag vorstellen, die meinen Sohn richtig begeistern konnten: „Hör mal“ und „Sing mal“. Wir die Titel dieser beiden Soundbücher schon verraten, handelt es sich bei „Hör mal“ um ein Buch, das Kinder zum Hinhören und bei „Sing mal“ zum aktiven Mitsingen animiert. Beide Reihen decken viele verschiedene Themen ab, bei dem jedes Kind auf seine Kosten kommt.

Hör mal: In der Natur von Anne MöllerMit „Hör mal: In der Natur“ ist bei uns ein Buch bei uns eingezogen, das nicht nur meinem zweijährigem Sohn viel Freude bereitet hat. Auf acht robusten und wunderschön gestalteten Doppelseiten durften wir zahlreiche interessante Szenarien erleben, die per Knopfdruck akustisch, mit sehr naturgetreuen Klängen, zum Leben erwachen. In „Hör mal: In der Natur“ beobachteten mein Sohn und ich laut quakende Frösche in einem belebten Teich, entdeckten zirpende Grillen auf einer bunten Wiese – wobei ich erst einmal dazulernen musste, dass Grillen eigentlich Heupferde heißen -, und besuchten ein Rotkehlchen in seinem Nest und lauschten dem Gesang. Nach einigem Blättern begaben wir uns ans Meer, wo uns rauschende Wellen und Möwengeschrei begrüßten. Dann zog ein Gewitter auf und es blitzte und donnerte. Als sich das Unwetter verzog, dämmerte es und wir sahen viele Waldtiere, die nach Futter suchten, wie den Waldkauz. In diesem Kinderbuch merkt man deutlich, dass die Kinder im empfohlenen Alter einen Entwicklungsschub vollzogen haben, denn die Szenen werden mit etwas mehr Text und mehr Inhalten untermalt. Auf der letzten Seite werden einzelne Szenen etwas kleiner dargestellt zu denen die Kinder ein paar Fragen beantworten sollen, um das Gesehene und Gehörte Revuepassieren zu lassen. Jedoch muss ich auch von einem Makel berichten, denn schon nach wenigen Betätigen der Sounds fiel einer davon komplett aus.

Dienstag, 29. November 2016

[Rezension] "Der Geruch von Häusern anderer Leute" von Bonnie-Sue Hitchcock

Der Geruch von Häusern anderer Leute von Bonnie-Sue Hitchcock
Bildquelle: Königskinder
Ihr seid auf der Suche nach einem Buch, dessen Handlung und literarische Figuren euch unter die Haut gehen? Ein Buch, das euch auch nach dem Lesen noch lange beschäftigt und in Erinnerung bleibt? Dann habe ich genau das Richtige für euch: Eine Geschichte über vier jungen Menschen, die vom unerbittlichen Alltag unweit des nördlichen Polarkreises gezeichnet wurden und deren Lebenswege sich auf unerwartete Weise kreuzen. Und fast scheint es so, als seien diese unerwarteten Momente vorbestimmt, um einander zu retten.

„Ich verstehe nicht, warum manche Erlebnisse uns unter die Haut gehen und uns zu neuen Menschen machen.“ Seite 243

Alyce, Ruth, Dora und Hank haben einen sehr divergenten Charakter und obwohl drei von ihnen in einem Ort wohnen, nur wenig mit einander zu tun. Ihre einzige Gemeinsamkeit besteht darin, dass alle vier von gewichtigen Problemen und Sorgen geplagt werden: Ruth hat ein kleines Geheimnis, welches sich wohl nicht mehr  lange verbergen lässt. Hank flieht mit seinen Brüdern vor häuslicher Gewalt, ähnlich wie Dora, deren Vater gerne und sehr viel Alkohol trinkt. Dagegen erscheint Alyce Problem fast lächerlich. Doch für sie ist es schwierig mit der Trennung ihrer Eltern fertig zu werden, die ihr Leben buchstäblich zweigeteilt hat. Durch viele Begebenheiten nähern sich diese jungen Menschen einander – meist unbeabsichtigt.

Samstag, 26. November 2016

[Rezension] "Studierst du noch oder lebst du schon?" von Tiphaine Rivière

Studierst du noch oder lebst du schon von Tiphaine Rivière
Bildquelle: Knaus
Zu den schönsten Tagen in meinem Leben gehört jener, an dem ich nach Jahren mühevoller tagtäglicher Selbstmotivation (und Selbstzerfleischung) endlich meine Diplomarbeit fertig hatte. Zu den schönsten Tagen im Leben von Tiphaine Rivière zählt vermutlich der, an dem sie ihren drei Jahre währenden Versuch eine Doktorarbeit zu schreiben abgebrochen hat! Zumindest legt das ihre erste Graphic Novel „Studierst du noch oder lebst du schon?“ nahe. Darin rechnet die junge Französin kompromisslos ehrlich mit dem Hochschulwesen ab. 

Die Graphic Novel erzählt von Jeanne Dargan, die beschließt ihren Job als Lehrerin an den Nagel zu hängen, um während eines Sabbaticals an der Pariser Sorbonne zu promovieren. Der Titel „Studierst du noch oder lebst du schon?“ ist daher etwas irreführend, doch die Geschichte weist viele Parallelen zum normalen Studienwahnsinn auf, weshalb nicht nur Doktoranden, sondern auch der gemeine Student an vielen Stellen Déjà-vu erleben wird.

Jeanne beginnt ihre Dissertation über Kafkas Torhüterparabel hoch motiviert und grenzenlos enthusiastisch. Sie träumt von intellektueller Selbstverwirklichung, kreativen Höhenflügen, der Anerkennung durch die Professoren, dem Aufstreben in die Bildungselite. Mit vorausschauender Schadenfreude darf der Leser Jeanne bei ihren ersten Schritten auf dem Weg zur Dissertation begleiten, um schließlich dabei zu sein, wenn eintritt, was eintreten muss: das desaströse Aufeinandertreffen von Anspruch und hehren Zielen mit entmutigender Realität und dem inneren Schweinehund.

Donnerstag, 24. November 2016

[Rezension] "GRRRRR!" von Rob Biddulph

Grrrrr! von Rob Biddulph
Bildquelle: Diogenes
Geht es im Leben immer nur darum, der Beste zu sein?

In unserer Gesellschaft ist alles darauf ausgelegt, dass man möglichst früh in seinem Leben schon etwas leisten kann. Selbst in der Kita gibt es schon zahlreiche Lernschwerpunkte, die unsere Kinder auf das Tempo der Gesellschaft konditionieren. Schnell begreifen sie, dass es wichtig ist, möglichst erfolgreich zu sein, oder lernen auf unangenehme Weise an den ihn gestellten Forderungen zu scheitern. Schon oft habe ich mich gefragt, ob ich meinem Kind wirklich diesem Tempo aussetzen möchte. Auch wenn ich mir wünsche, dass mein Kind später erfolgreich ist und ein glückliches Leben führen kann, hoffe ich, dass ich ihm bestimmte Werte mit auf den Weg geben kann. Kinderbücher sind dabei für mich ein wichtiger Transporteur mit denen man auf wunderbare Weise wichtige Werte zu vermitteln. Mit „Grrrrr!“ von Rob Biddulph habe ich ein schönes Bilderbuch aus dem Diogenes Verlag gefunden, dass meinem Kind auf spielerische Weise vermittelt, dass es nicht immer darum geht, der Beste zu sein.