Dienstag, 7. Februar 2017

[Rezension] "House of Ghosts – Das verflixte Vermächtnis" von Frank M. Reifenberg

House of Ghosts - Das verflixte Vermächtnis von Frank M. Reifenberg
Copyright: Ars Edition
Die Cousine ist tot. Genauer gesagt, die Urgroßschwiegercousine Emilie Bauerfeind. Und sie hat ihren Verwandten, den Bowers, ihr Haus vererbt. Darüber sind Vater, Mutter, Melli und der kleine Bobby Bower sehr glücklich. Weil: „Erben“ bedeutet, dass jemand stirbt und alle traurig sind und kurz darauf sehr froh, weil sie die dollsten Dinge bekommen, die vorher dem Toten gehört haben. So hat sich die zwölfjährige Melli Bower das zumindest immer vorgestellt. Aber dann steht sie samt ihrer Familie vor einer großen, unheimlichen Villa, die aussieht, als würde sie gleich umfallen. Tolles Erbe! Und spuken tut’s auch. Na klasse …

Was hatten wir Spaß mit den Bowers. „House of Ghosts - Das verflixte Vermächtnis“ ist der Auftaktband zu einer neuen Reihe von Frank M. Reifenberg für Kinder ab 10 Jahren, der für viel Heiterkeit bei uns zu Hause gesorgt hat. Die Geschichte wird von äußerst liebenswerten und noch dazu sehr schlagfertigen Figuren bevölkert, die sich höchst unterhaltsame Wortgefechte liefern. Ängstliche kleine Leseratten, die von unheimlichen Geschichten eher abgeschreckt sind, dürfen bereits auf den ersten Seiten erleichtert ausatmen. „House of Ghosts - Das verflixte Vermächtnis“ ist keine effektheischende Gruselgeschichte im Stile R.L. Stines. Freund und Feind, Spaß und Ernst halten sich hier die Waage. Reifenberg erzählt nicht, um allein den Herzschlag hochzutreiben, sondern vor allem mit Herz und Verstand.

Das soll nun aber nicht bedeuten, dass die Geschichte so gar nicht gruselig ist. Das Buch hüllt die junge Leserschaft keineswegs 166 Seiten lang in eine rosarote Kaugummiblase aus Albernheiten. Unter die für Kinder beruhigende Riege freundlicher Buchgestalten mischen sich einige äußerst unheimliche Gespensterbegegnungen. Wohl dosiert mutet Frank M. Reifenberg seinen LeserInnen darüber hinaus einige, wenige traurige, historische Einblicke zu. Zur besseren Einschätzung für die Elternschaft: Melli erfährt von ihrem neuen Freund und Nachbarn Hotte von einer Geistererscheinung, die auf eine verstorbene Küchenmagd zurückzuführen ist. Diese hatte - aus Angst vor der Herrschaft – einst ihr totes Baby unter den Dielenbrettern eines Hauses versteckt. Oha! An dieser Stelle musste mein Sohn schlucken. Die Erklärung, wie das damals war, und warum eine Schwangerschaft eine Frau in echte Schwierigkeiten bringen konnte, liefert der Autor aber gleich mit. Ich mag jedoch nicht ausschließen, dass dieser Aspekt das eine oder andere Kind etwas länger beschäftigen könnte. Mein eigener Sohn, der inzwischen 12 Jahre alt ist, fand diesen Teil der Geschichte zwar erschreckend, war jedoch auch neugierig und sehr interessiert an den historischen Gegebenheiten. In vertrauensvoller Atmosphäre ließ sich über das Thema dann ohne Ängste sprechen.

Frank M. Reifenberg lässt bedrohlichen Szenen auch stets ein vergnügliches Verschnaufen folgen. Insgesamt ist der Ton entspannt, ausgelassen und sogar etwas übermütig. Man kann sich einfach nicht wirklich lange fürchten, wenn in einer Geschichte sowohl Vater als auch Sohn ‚Bobby‘ heißen, weshalb der Papa ‚Big Bobby‘ gerufen wird und der Sohn - der besseren Unterscheidung wegen – ‚Bobbyboy‘. So hatten wir insgesamt sehr viel Spaß mit den Bowers. Gegruselt haben wir uns auch.

Ein einziges Manko gibt es: Man merkt dem Buch an, dass es eine Vorbereitung auf weitere Bände sein soll. Das Augenmerk liegt auf der Einführung von Charakteren und Erklärungen rund um das Thema Geister, die in einigen Kapiteln zu lang geraten sind. Besonders die kursiv abgedruckten Ausschnitte aus dem „Handbuch der Spukerscheinungen“ könnten die Aufmerksamkeit der jungen Leserschaft herausfordern. Hier lässt sich vermuten, dass es in den Folgebänden dann etwas aktionsreicher zugehen wird, weshalb wir uns auf weitere Abenteuer bereits freuen. Da das Buch mit einem sehr gemeinen Cliffhanger endet, lassen diese hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten.


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House of Ghosts - Das verflixte Vermächtnis von Frank M. Reifenberg 
Gebundene Ausgabe: 176 Seiten 
Verlag: Ars Edition
Erscheinungsdatum: 16. Januar 2017 
ISBN: 978-3845817125 
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 10 - 12 Jahre

Kommentare:

Kathrin Everdeen hat gesagt…

Das hört sich großartig an! Muss ich mir unbedingt für Ben merken, also wenn er etwas älter ist :-)
LG

lex hat gesagt…

Merk' dir am besten den Namen "Reifenberg" ganz generell. Der Autor hat auch eine andere lesenswerte Reihe geschrieben... "Die Schattenbande". Und vielleicht gibt's ja irgendwann mal was für jüngere Kinder von ihm. :-)
Liebe Grüße

Kathrin Everdeen hat gesagt…

Das mache ich! Danke :-)

LG

Sternchen's Bücherwelt hat gesagt…

Danke für die schöne Rezension. Ich lese gerne Kinderbücher. Ich verfolge dich jetztmum auch keine Rezensionen und weitere Artikel nicht zu verpassen.

LG Nadine

lex hat gesagt…

Wir freuen uns über deinen Besuch, Nadine, und schauen auch gerne bei dir vorbei. Danke für deinen netten Kommentar.

Liebe Grüße

Krinkelkroken hat gesagt…

Aber nichts gegen RL Stine, oder?! Habt ihr die "Scary Harry"-Reihe schon entdeckt?

lex hat gesagt…

Bitte nicht R.L. Stine :-))) Obwohl sein Cameoauftritt in "Gänsehaut" wirklich ein netter Gag war. Die Bücher kommen mir aber nicht ins Haus. Scary Harry... ja, eine tolle Kindergruselserie. Ich glaube, wir haben zwei Bücher.

Verena normalistlangweilig hat gesagt…

Uhhh, wir fanden den Anfang soooo langweilig. Den Humor haben wir auch nicht wirklich gefunden und Band 2 möchte meine Tochter zur Zeit nicht lesen! Ich habe deine Rezension in meiner verlinkt! :-) Gruß Verena

lex hat gesagt…

Hi Verena, ja, habe Deine Rezension gerade gelesen. Danke für's Verlinken. Ich habe das Buch zusammen mit meinem Sohn gelesen. Wir fanden es echt gut und teilweise auch sehr witzig. Einige Längen haben wir allerdings auch empfunden. Manchmal wird zuviel erklärt. Schade, dass es Euch nicht gefallen hat.
Liebe Grüße

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