Dienstag, 5. Dezember 2017

[Rezension] "Demon Road - Höllennacht in Desolation Hill" von Derek Landy

"Demon Road - Höllennacht in Desolation Hill" von Derek Landy
Copyright: Loewe
"Höllennacht in Desolation Hill" ist der zweite Band der Demon Road Trilogie von Derek Landy. Wer den ersten Teil kennt, weiß, dass es bei diesem Mix aus Humor und Horror zum Teil sehr unappetitlich wird und man bei der Altersempfehlung zweimal hinsehen sollte. Mir hatte der Auftakt gefallen und ich fand auch die Fortsetzung gut - mit  Einschränkungen. Der Plot entfernt sich vom zusammenhanglosen stop and go und ist nahezu ausschließlich in Desolation Hill angesiedelt, dem Ort, den Amber und Milo ausfindig machen wollten, weil sie hofften, dort unsichtbar für den Leuchtenden Dämon zu sein.
 

Leider liegt der Fokus damit nicht automatisch stärker auf Milo und Amber. Derek Landy führt eine große Riege neuer Protagonisten ein, die zum Teil eigenständige kleine Nebenhandlungen einleiten - unter anderem zwei im Dauerstreit liegende Senioren, ein Gestaltwandler, eine Busmannschaft à la Scooby-Doo-Trupp, diverse Stadtbewohner, Serienkiller und Polizisten. Die Figuren sind amüsant, mir waren es aber zuviele und ich hatte schon kurz nach dem Lesen viele Namen wieder vergessen. Vor allem gerieten mir die Hauptpersonen zu oft ins Hintertreffen. Glen hat nur zwei, drei Szenen. Milos Vergangenheit ist immer noch unklar. Besonders von Amber, deren dämonische Seite stärker wird und die einige Konflikte mit sich austrägt, hätte ich gerne mehr gesehen. Für mich standen am Ende viele Fragen im Raum und ich hatte nicht das Gefühl, den Charakteren bedeutend näher gekommen zu sein.

Landy hat sich dafür entschieden, Ambers Konflikte teilweise anhand einer Lovestory aufzuzeigen, was ich nicht ganz geglückt fand, wobei mich nicht die Konstallation an sich störte, die eigentlich erfrischend ist, aber bei der Masse an Schauplätzen geriet sie fast zur Nebensache und lief für mich gefühlsmäßig eher auf Sparflamme. Außerdem hat mich der Spannungsteil mit seinen vielen Splatterszenen emotional eigentlich genug gefordert. Für mich passte die Liebesbeziehung nicht in die Art von Geschichte.
 

Anderes wieder ist gut gelungen. Jugend-Fantasyromane sind oft voraussehbar und das ist etwas, was man "Demon Road" - ob man die Reihe mag, oder nicht - nicht nachsagen kann. Landy entwickelt seinen Plot unberechenbar und hat keine Probleme damit, seine Figuren auch mal richtig über die Stränge schlagen zu lassen. Das Spannungslevel ist relativ hoch, was mich über einiges hinweg getröstet hat. Unter der Oberfläche von Desolation Hill schlummert etwas Gewalttätiges und Finsteres, das ahnt man schnell. Aber weil der Ort von einer Gruppe Dämonenrocker belagert wird, können Milo und Amber ihn nicht verlassen. Innerhalb der Grenzen von Desolation Hill sind sie jedoch auch nicht sicher - die Höllennacht steht an, die das beschauliche Städtchen in ein blutrünstiges Irrenhaus verwandelt. Sie sitzen in der Patsche und man ist gespannt, wie sie sich aus der Situation winden. 

Landy erzählt, indem er von Schauplatz zu Schauplatz springt. Dabei sind die Leute in der Geschichte genauso skurril und bunt wie die Ereignisse und alles gipfelt wieder in einem blutigen Finale. Für mich war das alles unterhaltsam und abwechslungsreich, nur leider haben mich die häufigen Ortswechsel gegen Ende immer mehr gestört, ebenso wie die vielen, kleinen Streitigkeiten und unnötigen Diskussionen in diesem Zusammenhang. Was mir fehlte, waren einige grundsätzliche Gedanken zu den Entwicklungen, die teilweise krass sind - und zwar von den drei Personen, mit denen alles begonnen hat: Amber, Milo und Glen.

Fazit: "Höllennacht in Desolation Hill" ist eine Fortsetzung, die sich stark der Einführung neuer Charaktere widmet - mir persönlich waren es zuviele. Auch auf die Lovestory hätte ich verzichten können, da sie für die Geschichte meiner Ansicht nach nicht wichtig ist. Viel wettgemacht hat Landy mit seiner Art des Erzählens, die düster und makaber ist, aber auch Humor hat und nie in eine Richtung geht, die man als Leser vorausahnt. Landy hat nie behauptet, etwas anderes als Horror schreiben zu wollen, aber die Selbstverständlichkeit von Gewalt irritiert mich teilweise und ich hätte mir mehr Reflexionen durch die Protagonisten gewünscht. Inwiefern sich die Brutalität weiter steigert, wird sich im dritten und letzten Teil erweisen. Ich hoffe auf mehr Amber, mehr Milo und Glen, rechne aber in jedem Fall mit einem großen Showdown.
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Demon Road - Höllennacht in Desolation Hill von Derek Landy

Übersetzung: Ursula Höfker
Erscheinungsdatum: 24. Juli 2017

Hardcover: 448 Seiten
Verlag: Loewe
ISBN: 978-3785585092
Altersempfehlung: 14 - 17 Jahre
 

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