Samstag, 21. April 2018

[Rezension] "Scythe - Der Zorn der Gerechten" von Neal Shusterman

"Scythe - Der Zorn der Gerechten" von Neal Shusterman
Copyright: Fischer/Sauerländer
Diese Reihe macht mich fertig! Mit der Bewertung zu Shustermans Trilogieauftakt "Scythe - Die Hüter des Todes" habe ich mich wahnsinnig schwer getan. Kein anderes Buch hat mich im letzten Jahr so zwiegespalten zurückgelassen. Keine Frage, die Idee ist hervorragend, innovativ und hat Anspruch. Leider waren  mir die Charaktere zu farblos und der Weltentwurf zu vage. Und, um es gleich vorweg zu nehmen: Auch nachdem ich Teil zwei nun gelesen habe, habe ich nicht das Gefühl, den Figuren bedeutend näher gekommen zu sein. Wann hat sich Citra zu der reifen, gesetzten Persönlichkeit gewandelt, die sie nun ist? Wann ist aus Rowan dieser knallharte Rächer geworden? Und worauf beruhen ihre Gefühle füreinander? Ich kann die beiden nur schwer fassen. Sie handeln wie abgeklärte Mittvierziger. Ich habe keine Ahnung, was sie wirklich antreibt und bewegt. Sie besitzen in meinen Augen einfach keine Tiefe.

Das einmal außen vorgelassen, empfand ich die Fortsetzung als ausgewogener und spannender als den Auftakt. In gewisser Weise legt Shusterman nun genau die Geschichte vor, die ich mir von Anfang gewünscht habe, indem er sich mehr dem Thunderhead und dessen Hintergründen zuwendet. Vieles wird in der Fortsetzung klarer, Zusammenhänge werden besser beleuchtet, gleichzeitig nimmt das Tempo zu. Ständig gibt es dramatische Wendungen, die Spannungskurve ist von Beginn an steil und macht am Ende nochmal eine massive Aufwärtsbewegung.

Donnerstag, 19. April 2018

[Rezension] "Papa kann fast alles" von Günther Jakobs

"Papa kann fast alles" von Günther Jakobs, Kinderbuch, Bilderbuch
Copyright: Carlsen Verlag
Papa ist ein Superheld!

Und Mama ist eine Königin … Diese Sätze entspringen nicht meiner Fantasie. Nein, mein Sohn benutzt genau diese Bezeichnungen für uns. Jetzt könnte man viel über die Bedeutung seiner Aussage philosophieren - tun wir aber nicht. Mama ist eine Königin und Papa ein Superheld. Denn egal was Mama oder Papa tun, es wird immer einen Unterschied für das Kind geben. Um eine ähnliche Thematik geht es in Günther Jakobs neuem Kinderbuch „Papa kann fast alles“. In diesem Bilderbuch lässt er Kinder aus ihrer Sicht über den besten Papa der Welt erzählen. Sie berichten voller Stolz und Liebe darüber, was ihr Papa alles kann. Und das ist ziemlich viel.

Was dieser weltbeste Papa so alles kann, wird in diesem großartigen Bilderbuch von Günther Jakobs auf eine besondere Weise dargestellt. In die wunderbaren und humorvollen Illustrationen hat der Autor größere Spickzettel eingefügt, die mit den Aussagen der Kinder bedruckt sind. Sprüche wie „Papa kann ganz schnell laufen“ wurden mit sehr lustigen Aussagen, wie „ … besonders wenn wir zu spät sind.“ ergänzt und sorgen für jede Menge Lacher. In den Illustrationen findet man zusätzliche urkomische Details, die sich bestens in die Handlung einfügen. Allerdings macht Günther Jakobs auch sehr deutlich: Egal was Papa mit all seinen Superkräften machen kann, eines kann er nicht … Mama sein! Und das ist gut so, denn gerade dieser Unterschied und die manchmal sehr verschiedene Weise an Dinge heranzugehen, ist wichtig für jedes Kind.

Dienstag, 17. April 2018

[Rezension] "Feuerwerk mit Todesfolge: Der vierte Fall für Wells & Wong" von Robin Stevens

"Feuerwerk mit Todesfolge: Der vierte Fall für Wells & Wong" von Robin Stevens
Ich kann mich nur wiederholen: Diese Krimireihe ist nicht nur besonders, sondern auch besonders großartig! Aus dem riesigen Pool der Kinderliteratur sticht sie alleine schon aufgrund ihres nostalgischen 30er-Jahre-Flairs auffallend heraus. Was mir wirklich sehr gefällt, ist, mit wieviel Feingefühl Autorin Robin Stevens Spaß und Ernst miteinander verbindet.

Nach einem Abstecher zum Wohnsitz der Familie Wells und einer Fahrt im Orientexpress geht es für die Nachwuchsdetektivinnen Daisy Wells und Hazel Wong zurück ans Internat Deepdean, wo fünf ältere Schülerinnen, angeführt von ihrer Freundin Elisabeth Hurst, die Jüngeren nicht nur massiv schikanieren, sondern auch private Geheinnisse ausspionieren und herumtratschen. Als Elisabeth tot aufgefunden wird, glauben zunächst alle an einen tragischen Unfall... nur Daisy und Hazel vermuten einen Mord. Ihre Verdächtigen haben sie schnell eingekreist: es sind die fünf Mädchen aus dem Dunstkreis der Toten, die vielleicht doch nicht so gut mit Elisabeth befreundet waren, wie alle dachten.

Samstag, 14. April 2018

[Rezension] "Kranichland" von Anja Baumheier

"Kranichland" von Anja Baumheier, Roman
Es ist schon erstaunlich, wie schnell wir Menschen vergessen. Vor vielen Jahren saß ich während eines Pioniernachmittags im Klassenraum, der mit Bildern von Erich Honecker geschmückt war und eine Lehrerin erzählte uns, wie bedeutend und wichtig es sei, dass man in die Partei eintritt. Mein Alltag in der DDR war unbeschwert – ich kannte nichts anderes. Und was sich hinter den Kulissen abgespielt hat, habe ich als Kind nicht mitbekommen. Den Mauerfall erlebte ich wie im Rausch und plötzlich wurden Dinge wichtig, für die ich mich vorher nie interessiert habe. Alles war möglich … Irgendwann war dieser Rausch vorbei und ich fragte mich, was ich in meiner Vergangenheit alles nicht mitbekommen habe. Die Lehrer, die nun nicht mehr von ihrer Parteitreue berichteten, blieben und in mir wuchs die Neugier. Ich begann mich mit den Schicksalen und Begebenheiten der damaligen Zeit zu beschäftigen und tue es auch heute noch gerne. Aus diesem Grund stach mir „Kranichland“ von Anja Baumheier sofort ins Auge. Diese Geschichte versprach ein packendes Familienepos zu sein, in Zeiten als Deutschland noch geteilt war.

Donnerstag, 12. April 2018

[Rezension] "Wenn der Mond die Sterne zählt ... und dem Kind beim Schlafen hilft" von Günther Jakobs

"Wenn der Mond die Sterne zählt ... und dem Kind beim Schlafen hilft" von Günther Jakobs, Bilderbuch, Kinderbuch
Copyright: Carlsen
Nach einem aufregenden Tag ist es für meinen Sohn immer schwierig sich zu entschleunigen und zur Ruhe zu finden. Ein gutes Mittel dafür sind Bilderbücher, die etwas ruhigere Geschichten erzählen. Kürzlich habe ich „Wenn der Mond die Sterne zählt … und dem Kind beim Schlafen hilft“ von Günther Jakobs entdeckt. Ein Bilderbuch, das sich für diesen Zweck bestens eignet. 

Allein die Handlung ist sehr passend, denn hier erzählt Günther Jakobs über die Aufgabe des Mondes. Dieser zählt jeden Abend die Sterne, denn für jedes Kind, das träumt, geht ein Stern am Himmel auf. Doch an diesem Abend fehlt ein Stern - da ist sich der Mond sicher. Er hat den Himmel viele Male abgesucht und ihn nicht gefunden. Kurzum beschließt er zur Erde hinabzusteigen, um das Kind zu suchen, welches nicht in seine Träume finden kann. Vom Himmel sieht die Welt ganz anders aus und der Mond tut sich mit seiner Suche etwas schwer. Doch ihm begegnen einige nachtaktive Tiere, die ihm helfen wollen, das Kind zu finden. Schließlich findet er es auch und erzählt ihm eine Geschichte, damit es ruhig einschlafen kann.